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Historie

Die Wallfahrt zur "Maria im Grünen Tal" ist eine der ältesten im Bistum Würzburg

Zwei Sagen versuchen den Ursprung der Retzbacher Wallfahrt zu erklären: Ritter unter Führung des Herrn von Thüngen verfolgten auf der Jagd einen Hasen, der sich in ein Erdloch retten konnte. Als die Ritter das Erdloch ausgruben, fanden sie ein steinernes Madonnenbild. Die Ritter ließen daher an der Fundstelle eine Kapelle errichten, die man im spätgotischen Chor, der eben deshalb Ritterkapelle genannt wurde, wiederzuerkennen glaubte. Die Schramme im Gesicht der Madonna soll von einem der Spatenhiebe beim Ausgraben stammen.

Eine weitere Überlieferung berichtet, dass der Ritter Bodo von Rabensburg, weil er 1202 an der Ermordung Bischofs Konrads von Querfurt in Würzburg beteiligt war, mit seiner Frau und seinem Söhnchen fliehen musste. Seine Frau gelobte daher eine Kapelle an dem Ort, an dem sie Ruhe finden würden. Dies soll ursprünglich an der Stelle des heutigen Retzbacher Rathauses gewesen sein. Nacht für Nacht wurde jedoch das Baumaterial wundersamerweise an die Stelle der heutigen Wallfahrtskirche gebracht.

Die Erbauung der Kirche durch das Geschlecht derer von Thüngen ist bereits im Wallfahrts- und Bruderschaftsbüchlein von 1685 und in der Neuauflage von 1736 vermerkt. Die Thüngen, die in Retzbach begütert waren, haben die Kirche wohl durch Stiftungen gefördert. Ein erster Ablass durch den Bamberger Bischof soll laut Wallfahrtsbüchlein von 1685 bereits im Jahr 1229 verliehen worden sein. Dieses Datum wird gern als Beweis für eine bestehende Wallfahrt angesehen. 1336 wandelte Bischof Otto II. von Wolfskeel auf Bitten des Retzbacher Patronatsherren, des Abtes von Neustadt am Main, die vielbesuchte Kapelle innerhalb der Pfarrei in eine Propstei der Abtei um, die bis 1803 bestand.

Beide Fakten weisen in die Entstehungszeit des Chores sowie des Gnadenbildes, es existierte aber offenbar noch keine Wallfahrt. Auch der Würzburger Schottenabt Johannes Trithemius erwähnt Retzbach zu Beginn des 16. Jahrhunderts in seiner Aufzählung der marianischen Wallfahrten des Bistums nicht.

Die 1417 in Güntersleben begründete Bruderschaft Mariä Geburt wurde einige Jahre später an die Kapelle Retzbach verlegt, wo sie 1472 Bischof Rudolf von Scherenberg bestätigte. Im Jahr 1600 riefen Äbte von St. Stephan in Würzburg und von Neustadt die Bruderschaft wieder ins Leben, Fürstbischof Julius Echter bestätigte ihre Statuten, erneuerte und vermehrte die Ablässe. Die im Pfarrarchiv erhaltenen vier Bruderschaftsbücher des 15. bis 17. Jahrhunderts geben Auskunft über die bistumsweite Verbreitung der Wallfahrt nach Retzbach. Mit dem Fortfall der Seelsorge der Benediktiner und Jesuiten geriet die Wallfahrt im 19. Jahrhundert in Vergessenheit. Mittlerweile ist Retzbach wieder einer der lebendigsten Wallfahrtsorte des Würzburger Bistums. Bischof Josef Stangl bestimmte anlässlich der Neuweihe der Wallfahrtsstätte am 13. September 1969 die Wallfahrtskirche als Gebetsort um die Einheit der Christen und gab Retzbach somit eine vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägte Ausrichtung. Auch die Bruderschaft Mariä Geburt ist als „Gemeinschaftswerk Einheit der Christen“ wiederbelebt und nimmt sich seither besonders des Gebetsanliegens der Ökumene an.

Die Wallfahrtskirche hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren. Der gotische Chor des heutigen Gebäudes stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Ein Vorgängerbau ist durch Grabungen belegt. In den Jahren 1622 bis 1625 wurde ein neues Langhaus angefügt und neue Altäre errichtet. Nach Umgestaltungen im 18. und 19. Jahrhundert stürzte bei einem Gewitter 1968 das Kirchenschiff ein. Die jetzige Kirche nach Plänen von Diözesanbaumeister Hans Schädel entstand in doppelter Größe bei Übernahme des alten Westgiebels mit seinen beiden barocken Treppentürmen. Das neue rechteckige Schiff ist zentral auf den erhalten gebliebenen gotischen Chor ausgerichtet. Der Wallfahrtsplatz mit seiner barocken Kreuzigungsgruppe, vor der während der Wallfahrtszeit ein Freialtar steht, wurde 1973 angelegt. Erneute Umgestaltungen des Chorraumes erfolgten 1986. An zentraler Stelle des Chores erhebt sich eine bildstockartige Bronze-Stele des Bildhauers Otto Sonnleitner. Der zerklüftete Schafft trägt neben einer Ablage für Blumen einen zu beiden Seiten treppenförmig ansteigenden Kerzenrechen. In einer sich nischenförmig öffnenden Vertiefung steht das Gnadenbild, so dass es von allen Plätzen der Kirche aus gesehen werden kann. Das Gnadenbild ist eine stehende Muttergottes, ein fränkisches Bildwerk des frühen 14. Jahrhunderts aus Sandstein. Maria trägt das Kind mit Apfel auf dem linken Arm, in der rechten Hand hielt sie ehemals wohl ein Zepter. 1968 fanden sich bei Restaurierungsarbeiten im Rücken der Figur Knochensplitter und Erde, die in einen seidenen Reliquienbeutel gehüllt waren. Dabei dürfte es sich um Berührungsreliquien aus Palästina handeln.

Seit der Restaurierung, bei der spätere Farbfassungen entfernt worden sind, blieb die Madonna ohne textilen Ornat und Kronen.

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